100km - Die Nacht von Biel (Schweiz) von Frank Tabbert
Frank Tabbert von der LG-Ostfriesland lief am vergangenen Wochenende seinen ersten 100km Lauf in Biel/Schweiz in 12 Stunden und 39 Minuten. Es war sein 10. Marathon und der sollte etwas Besonderes sein.
Die Vorbereitungen für seinen ersten 100 km Lauf begannen im Dezember und beinhalteten neben langen Läufen zwischen 40-50km am Wochenende auch die beiden Marathons in Hannover und Hamburg im Frühjahr sowie einen 58 km Lauf  von Aurich nach Weener zu seinen Eltern. Da Biel Freitags um 22:00 Uhr startet  hatte er auch einige längere Einheiten in den späten Abendstunden mit Stirnlampe trainiert.
Die Hinreise in die Schweiz erfolgte bereits am Vortag per Bahn, so dass noch eine Nacht zum Ausschlafen blieb. Am nächsten Tag war es dann soweit, in Biel am Kongresshaus angekommen herrschte gegen 19:00 Uhr bereits reges Treiben, bis zum Start war aber noch genügend Zeit für die obligatorische Portion Nudeln, Abholung der Startunterlagen und einen Besuch der Sportmesse.
Der  Wetterbericht hatte nach sommerlichen Temperaturen von 25C am Tag für die  Nacht angenehme  14C vorausgesagt allerdings auch Regenschauer, also wurde sicherheitshalber noch eine Regenjacke in den Laufrucksack gepackt.
Um 22:00 Uhr erfolgte  dann für die mehr als 1000 Teilnehmer pünktlich, wie es sich für die Schweizer gehört, der Start.
Aufgrund der vielen zuvor gelesenen Berichte über Biel  beschloss Tabbert  den Lauf lieber etwas langsamer anzugehen, zudem hatte er sich die Strecke gedanklich  in 10 Kilometer Abschnitte eingeteilt – jeweils mit einem kurzen Stopp an den zahlreichen Verpflegungsständen.
Die ersten 6 KM verliefen durch die Bieler Innenstadt, bevor der erste kleinere Anstieg folgte.  Weiter ging es durch viele kleine Dörfer und überall fanden wegen der Laufveranstaltung kleine Feste statt, viele Zuschauer feuerten die Läufer mit einem "HopHopHop" oder "Bravo " an. Bei KM 12 erwischte  die Teilnehmer dann ein ordentlicher Regenschauer, der machte das Laufen nicht gerade angenehm immerhin regnete es fast eine halbe Stunde.
Ohne größere Schwierigkeiten erreichte Tabbert  kurz vor Mitternacht bei KM 17 den ersten Höhepunkt  auf der Strecke, es ging über die historische Holzbrücke in Aarberg, viele Zuschauer sorgten hier für Stimmung.
Ab Km 22 gesellten sich die Fahrrad Begleiter zum Teilnehmerfeld, die vielen Rücklichter der Fahrräder und die Lichter der Stirnlampen sorgten fast schon für eine kuschelige Stimmung.
Die nächsten Kilometer ging es über viele Feldwege vorbei an schlafenden Kühen, durch stockdunkle Wälder und entlang von fast nicht endenden Landstraßen , zum Glück hatte Tabbert  in eine gute Stirnlampe investiert, so dass immer genügend Licht da war.

04:14 Uhr, die Hälfte war geschafft.
Es ging weiter entlang einer weiteren nicht endenden Landstraße  zur  Verpflegungsstation bei Km 56 in Kirchberg, die auch gleichzeitig als Checkpoint diente und in einem vorgegebenen Zeitlimit erreicht werden musste. Hier  konnte  man wenn nötig, den Lauf auch abbrechen und  den Shuttlebus zurück nach Biel nehmen. Tabbert gönnte sich lediglich eine kurze Pause, gestärkt  mit  einer leckeren Bouillon, Bauernbrot und Pepsi Cola ging es weiter durch die Nacht,  noch weitere 44 Km waren zu bewältigen.
Es folgte einer der Kultstreckenteile in Biel der Emmendamm auch Ho Chi Minh-Pfad genannt, dieser sehr schmale Teilabschnitt
verläuft durch ein Waldgebiet und gilt als der interessanteste  innerhalb der 100 km. Der Boden war schwer zu laufen, Wurzeln, grobe Steine, rutschige Stellen und rechts und links ging es 5 Meter in die Tiefe. Die nächste Stunde verlangte höchste Konzentration, denn  jeder Schritt musste genau gesetzt werden, um einen Sturz zu vermeiden.
Inzwischen war es wieder taghell  und  ganz langsam kam etwas Sonne durch,  Regenjacke und Langarmshirt konnten wieder ausgezogen werden.
Km 80 und  die Beinchen liefen immer noch , Tabbert  konnte einige  Läufer überholen die sich bereits  im Gehschritt befanden. Das Läuferfeld bog  ab auf einen Schotterweg der sich entlang des Flusses Aare bis nach Biel schlängelte.
10 Kilometer vor dem Ziel erneut ein Wolkenbruch, Tabbert war im nu pitschnass bis auf die Haut, in den Schuhen war Hochwasser Alarm, so musste er dann wohl oder übel bis zum Ziel weiterlaufen.
Es kam das Schild Km 99 es war fast geschafft , schnell noch ein Foto.Nach 12 Stunden und 39 Minuten Zieleinlauf, Tabbert war echt glücklich diesen Moment erleben zu dürfen.
Tabberts Fazit:
Das  besondere an diesem Lauf  sind nicht mehr die magischen 100km, es ist der Start am Abend, die  tolle Atmosphäre beim Lauf durch die Nacht und die erwachende Natur am frühen Morgen , und vor allem sind es die Menschen unterwegs, die Helfer an den Posten, die zujubelnde Menge und die Mitläufer, die Mitleidenden.